Im Folgenden findet sich der Nachbericht des OAT Karlsruhe zu den antifaschistischen Protesten gegen „Querdenke“ am 03. Juni.


Heute, am Donnerstag den 03. Juni, haben wir erfolgreich unseren Protest gegen Querdenken721 in die Karlsruher Straßen und Grünanlagen getragen. Die Querdenkenbewegung hatte für den heutigen Tag bundesweit in die Fächerstadt mobilisiert. Die Karlsruher Ortsgruppe unter Leitung von Güzey Israel erhoffte sich damit die Anknüpfung an vergangene Großdemonstration, wie zuletzt am Ostersamstag in Stuttgart. Dieses Ziel verfehlten sie, so schon mal vorweg genommen, bei weitem.

Die Gegenproteste wurden vom Antifaschistisches Aktionsbündnis Karlsruhe (AAKA ) organisiert, in dem auch wir als Offenes Antifaschistisches Treffen (OAT) aktiv mitarbeiten. Bisher arbeiteten wir nur punktuell zu den Verschwörungsgläubigen und Coronaschwurbler:innen, da diese sich in Karlsruhe auf eher kleinere Veranstaltungen mit nur wenig bis keiner Beteiligung organisierter Rechter beschränkten. Bei einer bundesweiten Mobilisierung von Querdenken schätzten wir die Situation anders ein, da sich in Vergangenheit gezeigt hat, dass gerade hier eine rege Beteiligung von organisierten Rechten wie beispielsweise der Identitären Bewegung, der Nazikleinstpartei Die Rechte oder auch rechten Hooligans zu erwarten ist. Bei der von uns erwarteten Anzahl an Schwurbler:innen war es uns zudem ein Anliegen unsere Deutungshoheit auf der Straße sichtbar zu machen und nicht zuzulassen, dass sich tausende Reaktionäre und Rechte unwidersprochen in Karlsruhe versammeln.

Bis zuletzt war unklar wie die Aktionen der selbsternannten Querdenker an diesem Tag aussehen werden, da die von ihnen geplante Demonstration von Marktplatz bis Günter-Klotz-Anlage von der Stadt untersagt wurde. Trotz Klage wurden sie dann in die Günter-Klotz-Anlage zu einer stationären Kundgebung gezwungen. Die Stadt wollte somit vor Allem einen gesellschaftlichen Aufschrei und Bilder von tausenden Menschen ohne Masken und Abstand in Karlsruhe vermeiden, um ihrem Image nicht zu schaden.

Aufgrund der unklaren Lage mobilisierten wir zu unseren Gegenprotesten überregional sowohl mit Fahrrädern als auch zu Fuß, um möglichst flexibel in der Stadt unterwegs sein zu können. Heute morgen startete darum ein Fahrradzug vom ZKM zur Haltestelle Europabad, um dort die Eingänge zur Anlage noch vor Eintreffen der meisten Schwurbler:innen zu blockieren. Diese Blockade wurde nur wenig später von den eintreffenden Fußgänger:innen unterstützt. Damit konnten wir zwar nicht verhindern, dass weiterhin Querdenker:innen zu ihrer Kundgebung gelangten, jedoch sperrten wir den Haupteingang und somit den einfachsten Zugang über eine Stunde hinweg ab und konfrontierten die Eintreffenden mit unserem direkten Protest.

Nach Beginn der Veranstaltungen verlagerten wir unseren Protest in unmittelbare Sicht-und Hörweite zu den Schwurbler:innen. Trotz einer angemeldeten Kundgebung unsererseits, wurden wir direkt nach Eintreffen dort von dem übermäßigen Polizeiaufgebot zurückgedrängt. Mit weiteren Einsatzkräften schlossen sie die eintreffenden Aktivist:innen in einem Kessel ein. Zur weiteren Eskalation schickte die Einsatzleitung die Pferdestaffel an die engste Stelle zwischen Demonstrant:innen und Polizei. Die sichtlich überforderten Reiter:innen hatten ihre Tiere aufgrund von Gedränge und Lautstärke nicht mehr im Griff und gefährdeten damit die Teilnehmer:innen. In diesem Zuge kam es auch zum Einsatz von Schlagstöcken, Pfefferspray, Faustschlägen und Peitschenhieben mit der Reitgerte. Einige Aktivist:innen wurden teils schwer verletzt und mussten im Nachgang mit Fußverletzungen, Schädelprellungen und Gehirnerschütterungen im Krankenhaus behandelt werden. Von allen im Kessel befindlichen Personen wurden anschließend die Personalien aufgenommen und viele erhielten Platzverweise und Anzeigen. Dieses Vorgehen zeigt einmal mehr, auf wessen Seite sich die Polizei in dieser Gemengelage schlägt. Dass eine Behörde die vordergründig durch rassistische Vorfälle und Nazi-Chatgruppen von sich Reden macht, auch gewillt ist mit allen Mitteln reaktionäre Bewegungen zu schützen ist wenig verwunderlich.

Trotz dieses Ausmaßes an Repression konnten wir die rechtsoffene Veranstaltung zumindest zeitweise stören. Um im Anschluss auch noch eigene Inhalte auf die Straße zu tragen, starteten wir wenig später, nach einem kämpferischen Redebeitrag, mit einem Demonstrationszug von der Günter-Klotz-Anlage durchs Wohngebiet Richtung Hauptbahnhof. Entlang der gesamten Route hängten Aktivist:innen Plakate, Transparente und Spruchbänder auf, auf denen unter anderem „Klassenkampf statt Querdenken“, „Die Rechten sind nicht die Lösung der Krise“, „Shutdown Capitalism“ und „Impfstoff für Alle“ zu lesen war. Auf halber Strecke wurde zudem Rauch entzündet. Die über 300 Gegendemonstrant:innen riefen Parolen wie „Make the rich pay for COVID19“ oder „Ob Querdenken oder AfD, stoppt den Rechtsruck in der BRD“. Den runden Abschluss bildete ein kurzes Schlusswort, in dem noch mal die Notwendigkeit von organisiertem Antifaschismus, gerade in Zeiten der Krise, sowie linken Antworten auf die miserable Krisenpolitik des Staates eingegangen wurde.

Wir werten den Tag im Allgemeinen als Erfolg, auch wenn sicherlich nicht alle Aktionen perfekt gelaufen sind und das Kräfteverhältnis auf der Straße sowohl zwischen der Polizei als auch den Querdenker:innen nicht ausgewogen war. Jedoch mobilisierten auch diese unerwartet nicht mehr als 800 Verschwörungsanhänger:innen. Der Umgang mit dieser rückschrittlichen Bewegung, die viele verschiedene Kräfte vereint ist nach wie vor schwierig. Es gilt die Lage in den verschiedenen Städten und für uns ins besondere in Karlsruhe zu beobachten, zu diskutieren und verschiedene Aktionsformen zu entwickeln. Mit unserem heutigen Protest konnten wir dabei schon einige erfolgreiche Formen erproben. Bei anderen müssen wir uns auch weiterhin reflektieren und nach vielfältigen Lösungen suchen.

Eins ist klar: Als Antifaschistische Bewegung werden wir auch weiterhin aktiv gegen rechte Versammlungen und Veranstaltungen sein. In der voranschreitenden Krise und der zunehmenden staatlichen Repression braucht es nicht weniger, sondern mehr Antifaschismus!

Tags:

Comments are closed